D&D the second encounter

Prolog
Über die Shaar

Der alte Mann setzt sich stöhnend zum Feuer. Die Kinder in der Gemeinstube der Gaststätte scharen sich sofort um ihn und betteln um eine Geschichte. Er seufzt lächelnd und lässt sich noch ein paar Mal bitten, aber schlussendlich erhebt er die Hände und bittet um Ruhe.

Wie das oft so ist, habe ich die Geschichte auch nicht selbst erlebt, sondern von anderen erzählt bekommen. Mein Haar ist aber schon seit langem weiß und mein Gedächtnis lässt mich beizeiten auch schon im Stich. Falls also einer von euch, werte Zuhörer, etwas anderes gehört hat oder weiß, wie die Dinge damals wirklich waren im Gezeichneten Süden, sagt es einfach.

Also, es begann weit im Süden im sogenannten Gezeichneten Süden. Früher hieß die Gegend der Schimmernde Süden, aber das Jahr des Blauen Feuers hat die Länder dort völlig vernichtet. Da unten sieht es jetzt aus, ich sag’s euch…

Ganz im Süden liegt das einstige Reich der Magier, Halruaa. Das Blaue Feuer hat dort am Schlimmsten zugeschlagen. Man sagt, dass man die Explosion des Landes noch in Mithralhalle im Norden spüren konnte. Wo früher Sicherheit und Ordnung regierten, durchstreifen jetzt vom Feuer gezeichnete Monstren ein zerklüftetes und verbranntes Land.

Nördlich der Berge von Halruaa liegt das Königreich Elfenhain. Die Elfen des früheren Dschungels des Nebeltals verloren ihre geliebte Heimat durch das Blaue Feuer. Die verstreuten Stämme verließen den Dschungel und machten sich das Land untertan. Man sagt, die Elfen wären fremdenfeindlich und würden jeden töten, der es wagt, einen Fuß in ihr Königreich zu setzen.

Weit im Osten liegt die Große Kluft. Als das Blaue Feuer kam und die Städte der Welt verwüstete, traf es nicht nur uns an der Oberfläche. Auch die Städte der Dunkelelfen im Untergrund der Welt wurden verwüstet. Die Große Kluft ist Brandmal einer solchen Zerstörung. Riesige Teile des Unterreichs stürzten damals ein und rissen ein Loch in die Oberfläche Torils. Auf einer Fläche von tausend mal fünfhundert Meilen zeigt die Große Kluft welch zerstörerische Kräfte am Werk waren, als die Göttin der Magie getötet wurde. Heute noch steigen die widerwärtigen Kreaturen aus der Kluft und überfallen die benachbarten Länder.

Im Norden des Gezeichneten Südens liegen die Grenzreiche. Ich kenne kaum welche davon und selbst wenn ich euch einen Namen eines solchen Königreichs sagen könnte, würde es heute wahrscheinlich schon anders heißen. Dort treibt es nur die hartgesottensten Abenteurer hin und oft kommt es vor, dass sich solche Helden zum Herrscher ihres eigenen Landes krönen. Die Grenzreiche sind dafür aber auch wie gemacht. Es gibt kaum Monster, die es durch die Shaar schaffen, das Wetter ist ein Traum und der Boden spuckt einem die Ernte förmlich entgegen. Allerdings wechseln die Herrscher dort eben aus diesen Gründen fast jeden Zehntag. Oft wissen nicht einmal die Einwohner entlegener Dörfer, wem sie im Moment eigentlich dienen.

Inmitten all dieser Länder liegt die Shaar. Einst war die Shaar eine üppige Savanne voller fruchtbarer Mesas, kleiner Wälder und Wasserlöcher. Das Blaue Feuer hat dem allerdings ein Ende gemacht. Die Savanne trocknete vor langer Zeit aus und wurde zu einem lebensfeindlichen Ort. Nur noch wenige der Wasserlöcher werden durch unterirdische Flüsse gespeist und ermöglichen wenigen Orten ein Überleben. Als das Blaue Feuer kam, wurden die Goldenen Ebenen völlig unvorbereitet getroffen. Die Städte verbrannten binnen weniger Tage und die wenigen Überlebenden rotteten sich um die Wasserlöcher.

Nur die wenigsten Einwohner der Shaar wissen, dass die meisten Städte des Nordens das Blaue Feuer unbeschadet überstanden haben. Sie denken, Toril wäre vollständig zerstört worden und verlassen aus Angst ihre von mickrigen Palisaden umringten Dörfer nicht weiter als bis zum nächsten Dorf. Und wenn mal ein Dorf weiter ab vom Weg liegt als eine Tagesreise, dann reisen sie nicht dorthin.

Die Einwohner der Shaar waren wohl auch deswegen so vorsichtig, weil Gezeichnete das Land unsicher machten; ob das jetzt merkwürdige magische Experimente aus dem zerstörten Reich Halruaa oder Geschöpfe des Unterreichs aus der Großen Kluft waren – hin und wieder streiften sie durch die Shaar. Den Dörflern war nach dem Blauen Feuer eine unerwartete Patronin zu Hilfe gekommen – Selûne, die Göttin des Mondes. Als die Gezeichneten zum ersten Mal durch die Shaar wüteten, erbarmte sich die Göttin der guten Völker, die bereits so viel zu ertragen hatten, und erwählte einen aus jedem Dorf zu ihrem Agenten auf Toril. Diese Personen werden Silbersterne genannt. Sie halten Wache über die Wasserlöcher und beschützen die Dörfler vor den übelsten der Gezeichneten.

Das Rotwasser liegt ziemlich genau dort, wo ihr wahrscheinlich nicht sein wollt – mitten in der Shaar. Das Wasserloch hat seinen Namen durch das blutrote Wasser darin bekommen. Ringsum das Rotwasser gibt es ein wenig Vegetation und ein kleines Dorf. In diesem Dorf lebten die unterschiedlichsten Rassen friedlich miteinander. Sie alle waren Nachfahren der großen Katastrophe, die Toril vor hundert Jahren heimgesucht hatte. Es gab nur wenige Elfen oder Zwerge in dem Dorf, die lange genug lebten, um das Blaue Feuer noch mit eigenen Augen zu sehen. Die Hütten von Rotwasser waren einfache Bauten aus Zweigen und Lehm. Die meisten Dörfer hatten einen Turm in ihrer Mitte errichtet, damit ihr Silberstern darauf seine Wache halten konnte. Manche aber, so wie Rotwasser, hatten das außerordentliche Glück, das sich direkt neben dem Wasserloch ein Hochplateau befand. Außer dem Silberstern von Rotwasser lebte dort oben aber niemand. Die Mesa wäre an sich zwar groß genug gewesen(zirka hundert Schritt Durchmesser), aber die Dörfler sahen keinen Nutzen darin auf einer Hochebene zu leben. Der mühsame Auf- und Abstieg rechtfertigte in ihren Augen keinesfalls den Schutz, den die Lage bieten konnte. Na jedenfalls stand auf der Hochebene von Rotwasser nur ein einziges Bauwerk – ein Hochstand für den Silberstern. Von dort wachte der Auserwählte Selûnes über die Dörfler bei Tag und Nacht. In Nächten, in denen der Mond zu sehen war, strahlte der Silberstern selbst noch in reinstem Licht und leuchtete so allen, die sich in der Nacht verirrt hatten.

Trotz der Silbersterne gab es aber weiterhin marodierende Banden. Sie überfielen Reisende und Dörfler, die ihre Felder oder Herden zu weit von den Silbersternen entfernt ansiedelten. In solchen Fällen griffen alle Dörfler zu den Waffen und vertrieben die Orks, Goblins, Gezeichneten oder was auch immer sich da gerade wieder zusammengerottet hatte.

An so einem Punkt beginnt die Geschichte der fünf Abenteurer. Da waren ein Dragonborn, ein Shifter, ein Goliath und zwei Genasi…

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Tag 1
Angriff auf Rotwasser

Also, es war Mittag und wie das so üblich war in der Shaar, machten die Leute gerade Siesta. Das kennt ihr vielleicht auch, wenn’s bei uns im Sommer so heiß wird, dass wir erst wieder am Nachmittag rausgehen. Naja, und in der Shaar war es eben jeden Tag so heiß, dass sie die Mittagsstunden drinnen blieben.

In Rotwasser gab es nur zwei gemauerte Häuser und eines davon war die Herberge. In der Shaar war es nicht üblich, einen Reisenden fortzuschicken, weil alle wussten, was sich außerhalb der Dörfer so rumtrieb. Es gehörte zum guten Ton, Reisende über Nacht aufzunehmen, selbst wenn derjenige bei Tag noch so eine Drecksau war. Dafür hatten die meisten Dörfer Herbergen, denn Wirtshäuser oder so gab es dort nicht. Das Haus wurde aber auch für alle möglichen anderen Anlässe genutzt, denn so oft kam es nicht vor, dass Reisende über Nacht blieben. Zu Mittag war es üblich, dass die Feldarbeiter hier aßen und sich beschäftigten, bis es wieder Zeit wurde weiterzumachen.

Also, es war der dritte Tag von Flammleite im Jahr des Zeitlosen, der heißeste Monat im Jahr also – und in der Shaar hieß das, dass man Eier auf Steinen braten konnte. Die Arbeiten waren gerade zum Ruhen gekommen und alle hatten sich in der Herberge eingefunden, als die Gäste Lärm von draußen hörten. Sie hatten kaum Zeit drüber nachzudenken, was das sein könnte, da traten auch schon ein paar Hobgoblins die Tür zur Herberge ein und attackierten die Dörfler. Einige der Leute bekamen auch ordentlich was übern Kopf, aber zum Glück war gerade der Goliath Grml anwesend. Er war so einer, der ständig sein Werkzeug bei sich trägt. Und in seinem Fall war das eine gigantische Axt. Grml ließ sein Essen stehen und warf sich auf die Hobgoblins. Mit ihm am Tisch saßen außerdem die Genasi-Zwillinge Ata’ura und Ignos, sowie der Dragonborn Bashan und der Shifter Zuma. Die vier versuchten dem Riesen beizustehen und zertrümmerten Krüge und Stühle an den hereinstürmenden Monstern.

Ich hab’s euch ja schon gesagt, das Leben in der Shaar war hart. Die Leutchen waren es gewöhnt, dass sie immer wieder mal um ihr Überleben kämpfen mussten. Die Dörfler wussten also, wie sie sich zu wehren hatten. Es kam nur nicht allzu oft vor, dass gleich eine ganze Bande den Mut aufbrachte, um in ein Dorf einzufallen. Als die Gäste der Herberge aber diese Überraschung abgeschüttelt hatten und sich organisierten, war es ein Leichtes, das Gesindel zu überwältigen.

Vor der Herberge bot sich ihnen ein ähnliches Bild. Die Einwohner Rotwassers bekämpften überall Hobgoblins. Im Großen und Ganzen sah es aber nicht so aus, als ob die Monster gewinnen würden. Das änderte sich schlagartig als ein riesiger Oger um eine der Hütten gelaufen kam. Der Riese zog einen Karren hinter sich her, auf dem zwei Hobgoblins standen und mit Pfeil und Bogen auf wehrlose Dörfler schossen. Und als ob das nicht genügte, warf der Oger mit explodierenden Krügen um sich. Die Fünf erkannten zwar die Gefahr, wussten aber nicht, wie sie so ein Monstrum aufhalten sollten.

Einzig die Elementarzwillinge wussten sich zu helfen. Ata’ura, die sie als Genasi die Kraft des Windes nutzen konnte, packte ihren Zwillingsbruder und ließ der Kraft der Elemente freien Lauf. Ihr müsst wissen, bei den beiden war es wie bei fast allen Geschwistern – sie wussten zu streiten. Und wie es nur Geschwister können, entfachte Ata’ura den Zorn ihres Bruders. Ignos, der das Feuer beherrschte, ließ einen Flammensturm los, der sich sehen lassen konnte. Das Feuer hüllte den Oger und die Hobgoblins ein und entzündete die tönernen Krüge. Nach einer gewaltigen Explosion, die selbst die gemauerten Häuser erschüttern ließ, regnete es überall Tonscherben und Körperteile.

Gerade wollten sich die Fünf mit den anderen Dörflern zusammentun, um die letzten verbliebenen Monster aus Rotwasser zu treiben, da verdunkelte sich der Boden um sie herum. Magische Netze wurden auf sie geworfen und beinahe augenblicklich durchzuckten sie außergewöhnliche Schmerzen bis ihnen allen schwarz vor Augen wurde.

Der alte Mann hällt inne und blickt sich um. Die Kinder am Boden starren ihn mit weit aufgerissenen Augen an. Alle halten sie die Luft an, manche halten sich sogar betroffen die Hand vor den Mund. Er steckt sich genüsslich die Pfeife in den Mund und grinst verstohlen.

Als sie langsam wieder zu sich kamen, fanden sie sich angekettet im Bauch eines Schiffes wieder. Ata’ura, Ignos und Zuma waren – wie andere Dörfler auch – mit Hand- und Fußschellen an die Bordwand gekettet, während Bashan und Grml „besondere“ Ketten bekommen hatten. Bashan war sowohl an Armen und Beinen, als auch am Schwanz und Maul angekettet, denn die Monster wussten um seine Fähigkeiten als Dragonborn. Grml wiederum, der eine einfache Fessel leicht aus ihrer Verankerung hätte reißen können, war mit Hilfe von Ringen an seinem Schlüsselbein angekettet worden. Mit den Fünfen waren noch zwei, drei weitere Einwohner Rotwassers, sowie Dörfler aus umliegenden Orten eingesperrt. Darunter befand sich auch ein Wechselbalg. Als der Formwandler ebenfalls zu sich kam (durch gutes Zureden von Zuma unterstützt), änderte er geschickt seine Gestalt in die eines Halblings und schlüpfte aus den Fesseln. Die befreite Truppe überwältigte die Wachen vor der Tür und bewaffnete sich. Langsam aber sich arbeiteten sich die Fünf unter der Führung der beiden Muskelberge Bashan und Grml durch den Bauch des Schiffes und hinterließen eine blutige Spur. Auf dem Hauptdeck schließlich erkannten sie endlich das Ausmaß der Patsche, in der sie steckten.

Die Fünf und die anderen Gefangenen waren von den Hobgoblins auf ein Luftschiff gebracht worden. Warum und wohin die Reise ging, wussten sie allerdings nicht. Die verbliebenen Gegner wurden ohne viel Gerede von Bashan von Bord gestoßen oder niedergemacht. Dann traten die Fünf dem Kapitän des Schiffes gegenüber. Er war ein Githyanki, ein Pirat der Astralsee, und machte nicht einmal Anstalten, sie anzugreifen. Ruhig trat er ihnen gegenüber und machte ihnen klar, dass sie seine Gefangenen waren und ihn nicht töten konnten, ohne dabei selbst zu sterben. Denn würde der Kapitän sterben, würde das Schiff unkontrolliert abstürzen. Gesenkten Hauptes wollten sie schon wieder in die Brig gehen, als Grml an eine Geschichte dachte, die er von einer fahrenden Händlerin in der Shaar gehört hatte. Jeder von ihnen konnte das Schiff retten, indem er sich in den Runenkreis des Kapitäns stellte und so eine Verbindung zum Schiff aufbaute.

Die Fünf berieten sich und machten also einen Plan. Sie würden den Kapitän herauslocken und töten, während Zuma sich in den Runenkreis stellen sollte, um so zum neuen Kapitän des Schiffes zu werden. Gesagt, getan. Der Githyanki ließ sich nicht lange bitten und lief geradewegs in die Falle, denn die Fünf hatten zwei Ballisten auf den Kapitän gerichtet. Obwohl ihn die Bolzen nur streiften, taten sie ihr Übriges, um ihn zu schwächen. Der behände Kämpfer konnte sich von Ort zu Ort teleportieren und so wurde der Kampf mehr zu einer Verfolgungsjagd, in die sich auch Zuma einschalten musste und so den Platz im Runenkreis aufgab. Als es den Kämpfern dann endlich gelang, den Kapitän zu töten, begann das Schiff dann einen immer schneller werdenden Abstieg. Zuma, der die Fähigkeit besaß, sich in Tiere zu verwandeln, nutzte diese übernatürliche Fähigkeit und sprang wie eine Raubkatze in den magischen Kreis. Augenblicklich stabilisierte sich die Antares, wie das Schiff hieß, und verband seine Gedanken mit denen Zumas. Dabei erforschte es jeden Winkel seines Geistes und überflutete ihn mit Bildern von marschierenden Hobgoblins.

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